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Proceed VRC
Proceed cycles
(Roland Noichl )

 

Proceed VRC

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Proceed VRC Momentan ist Ed von Proceed dabei einen neuen Rahmen zu entwickeln. 
Seit dem Sommer 2003 sind zwei Prototypen im Testeinsatz. 
Da die Tests vor allem auf den Trails rund um Innsbruck stattfinden hier für alle Interessierten einige Infos zu diesem interessanten Bike vom Chef persönlich:

Wie kamst du auf die Idee einen so extremen Freerider zu machen?
So extrem ist er eigentlich nicht – er soll nur kompromisslos und variabel sein. Immerhin sind Touren wie Arzler Scharte, wie wir sie im Juli gefahren sind, durch die Montagemöglichkeit eines Umwerfers und den Manitou SPV Dämpfer problemlos möglich – ohne Wippen. Bergab hat man dann 212 Millimeter Federweg zur Verfügung, die sonst eher nur Downhiller bieten. Wirklich extrem ist das vielleicht nicht, aber es ist unserer Ansicht nach ein absoluter Schritt in die Zukunft! Es ist schon faszinierend, dass man mit dem SPV Dämpfer ohne jegliches Verstellen im gleichen Setup ohne Wippen bergauf fahren kann und bergab gleichzeitig die maximale Performance hat! 

Warum diesmal ein Viergelenker?
Bei Federwegen jenseits der 150 Millimeter kommt ein Eingelenker absolut an seine Grenzen. Die Hinterachse bewegt sich auf einer Kreisbahn um den Schwingendrehpunkt, wobei sie sich über 150mm zu sehr in die Fahrtrichtung nach vorne bewegt. Außer man versetzt den Schwingendrehpunkt weiter nach oben, woraus starke Federungseinflüsse beim Pedalieren resultieren. Da kann man den besten Dämpfer verbauen, aber die Performance bleibt einfach auf der Strecke. 

Ein Virtueller Schwingendrehpunkt wäre ebenfalls eine Alternative, allerdings sind diese relativ aufwendig und bei einem Design wie das Santa Cruz V10 wirken enorme Kräfte auf die Industrielager und Hebelchen im Innenlagerbereich (große Hebelwirkung, da direkt am Schwingenanfang). Zudem ist auch wieder eine Bremsmomentabstützung erforderlich.
Der klassische Horstlink ist altbewährt und wir haben die Kinematik noch mal durch Computersimulationen ausgereift. Man bekommt effektiv keine Federungseinflüsse beim Pedalieren mehr mit, die Federung funktioniert während der ersten 40% linear und wird dann progressiv, und Bremseinflüsse sind ohnehin entkoppelt. Was will man mehr?

Ein Problem bei Viergelenkern war sehr häufig die nicht ausreichende Hinterbausteifigkeit, da zwischen Ausfallende und Hauptrahmen noch ein Drehpunkt liegt. Aber auch das haben wir durch belastungsoptimierte Bauteile gelöst! Es wird wohl kaum einen steiferen Viergelenker Hinterbau als den vom VRC geben. Und wir machen ihn durch eine größer Abstützbreite am Hauptlager noch steifer ;-)

Kannst du uns schon einige technische Leckerbissen des VRC verraten?
Federweg in drei Stufen verstellbar (170/190/212mm), Sitzturm und Oberrohrlänge sechsfach verstellbar, auswechselbare Ausfallenden für Steckachse, Schnellspanner und Rohloff, Lenkwinkel und Innenlagerhöhe sind verstellbar (beim ersten Prototyp noch bei weitem nicht ausgereift), Manitou Swinger 6-Ways Dämpfer, der sehr geschützt zwischen den CNC Platten „versteckt“ ist, weiter Verstellbereich für die Sattelstütze (beim Prototyp noch nicht!), belastungsoptimierte Rohre, viele Stunden CNC Arbeit pro Rahmen, 1 1/8“ oder onepointfive, und, und, und

Gibt es schon eine ungefähre Preisvorstellung?
Trotz des mächtigen Aufwands und der hohen Produktionskosten möchten wir den Preis nicht in die Höhe treiben lassen. Unser Ziel sind etwas unter 2.500 Euro, wobei wir damit meist unter der weitaus günstiger produzierten Konkurrenz liegen. Und da ist wohlgemerkt der Manitou Swinger 6-Ways Dämpfer dabei, einem der teuersten Dämpfer auf dem Markt. Aber in einem gesättigten Bike Markt kann man keine illusorischen Preise mehr verlangen wie vor acht Jahren.

Wie geht's jetzt nach dem Test der Prototypen weiter?
Der erste Testlauf ist so gut wie abgeschlossen. Jetzt werden die modifizierten Konstruktionen erstellt, und dann geht es an die zweite Prototypen Serie. Dieser muss dann noch mal ausgiebig getestet werden. An der Statik wird sich jedoch nicht viel ändern, von daher haben wir einen großen Brocken bereits hinter uns.
Serienreif wird es voraussichtlich im Januar oder Februar sein. 
Aber lieber warten wir noch einen Monat und der Rahmen passt wirklich, als wenn man super schnell macht und der Käufer „die letzten Tests machen muss“!

Wie aufwändig ist es ein neues Bike zu entwickeln und wie läuft so etwas ab?
Man kann sich meines Erachtens kaum vorstellen, wie aufwändig es ist, von Null an ein Bike zu entwickeln. Am Anfang steht das Design. Irgendwann kommt einem eine Designidee und man muss sie so schnell wie möglich aufzeichnen – sei es auf einen Pizzakarton oder einer Zeitung. Aber da ist natürlich eine Menge Müll dabei. Irgendwann pickt man sich dann die Rosinen aus den jeweiligen Designs heraus und fügt sie zusammen. Das ist dann der erste Rohentwurf.
Aber bis zum fertigen Design ist es noch ein weiter weg, da noch nichts konstruiert ist! Da ändert sich noch eine ganze Menge. Beim VRC hat es von der endgültigen Kritzelei auf einer FHM bis zur fertigen Konstruktionszeichnung fast ein halbes Jahr gebraucht – aber natürlich wurde nicht jeder Tag in das Bike investiert.
Es ist schon lustig, wenn man sich die ersten Entwürfe anschaut und was wirklich daraus geworden ist! Ich habe noch den letzten Bleistiftentwurf vom VRC über dem Schreibtisch hängen und vergleiche ab und zu einmal. Schon erstaunlich, wie „erwachsen“ es geworden ist!

In welcher Weise haben die Vertrider ihre Ideen eingebracht?
Die Vertrider und die ganze Innsbrucker Bikeszene haben meines Erachtens ein unglaubliches Potential. 
Extreme Trialtouren, die für diese Dudes der Alltag sind und mal so locker gefahren werden, stellen für bestimmt weit über 90% der Hobbybiker wohl ein sinnloses Unterfangen dar, da sie fast nichts davon fahren könnten. 
Die Vertrider besitzen eine ganz eigene Meinung vom Material, das sie benutzen. Was nicht hundertprozentig am Bike funktioniert, wird ausgetauscht. Leute wie der Christoph Malin und Picco, die ja fast öfter auf den Trails als daheim sind, arbeiten bei Projekten wie dem VRC direkt mit und geben zahlreiche Inspirationen in Sachen Geometrie, Verstellmöglichkeiten, Fahrdynamik, und, und, und. 
Des Weiteren kann ich auch direkt die Erfahrung vom Peter Kaufmann verwenden, der als Mechaniker tagtäglich an highend Bikes herumschraubt. Er baut die Prototypen zusammen und erkennt sofort, was passt und was noch optimiert werden kann – auch wenn es kleinste Details sind.
 
Ein vorab-Preview zum VRC gibt es unter http://www.proceedcycles.com/VRCstart.htm zu sehen. 
Das sind aber alles noch Aufnahmen vom Prototypen!